Schrecklich unwohl und alleine

Hallo liebes Team

Ich fühle mich momentan so schrecklich unwohl und alleine. Ich spüre, wie sich ein extrem bedrückendes Gefühl und meimer Brust und meinem Kopf ausbreitet. Vor zwei Monaten habe ich jemanden sehr wichtiges in meinem Leben verloren. Ich bin immer noch dabei, dies zu verarbeiten. Folge dessen habe ich eine wichtige Prüfung meines Studiums nicht bestanden, weshalb sich nun alles in die Länge zieht. Ich wohne in einer WG und bräuchte dringend einen Nebenjob, da meine Eltern finanziell nich für mich aufkommen können. Aber für jedes Stellenangebot , welches ich sehe, habe ich das Gefühl, nicht dazu geeignet/fähig zu sein oder es würde mir zu stressig und ich hätte zu wenig Zeit für anderes oder einfach für mich selbst. Ich sollte noch so viel lernen und nachholen für mein Studium, doch schaff ich es einfach nicht, mich hinzusetzen und zu lernen. Im Training, welches ich so liebe, merke ich, dass ich keine Power mehr habe. Ich bin mit meiner Beziehung nicht mehr ganz zufrieden und möchte eigentlich ein bisschen Abstand, doch bringe ich es nicht übers Herz, mit ihm darüber zu sprechen. Ich habe Schlafprobleme und regelmässig Albträume. Ich habe deshalb bereits ein Medikament verschrieben bekommen, doch wirkt es nur mässig. Für all diese eigentlich kleinen Aufgaben fehlt mir der Antrieb. Ich habe auf nichts wirklich Lust. Manchmal kommt eine innere Panik auf, dass alles den Bach runter geht. Und manchmal fühle ich mich auch abgestumpft und emotionslos, so als würde ich innerlich aussterben. Wenn ich mit meinen Freunden drüber rede, habe ich das Gefühl, dass sie es nicht verstehen. Sie meinen oft, dass es allen so ginge mit der Unzufriedenheit im Leben und dass doch jeder ein bisschen faul sei etc. etc. Ich habe den Eindruck, dass ich mich endlich mal entscheiden sollte, was ich im Leben will, doch ich weiss es einfach nicht! Am liebsten würde ich verreisen und mein Handy ausschalten. Alles erscheint mir gerade so schwer und anstrengend. Das Leben macht wortwörtlich gerade keinen Sinn, egal wie ich es drehe und wende. Habt ihr Tipps, wie ich mich da wieder rausholen kann? Und könnt ihr mir sagen, ob die Krankenkasse eine Therapie/Sprechstunde beim Psychologen übernimmt? Vielen vielen Dank euch.

Geduld und Biss

Liebe Rosanna

Ich kann Deine ganze Situation gut nachfühlen. Es hört sich so an, als hättest Du lange mit grosser Kraft für Dich und Dein Leben gearbeitet und dabei wirklich viel erreicht. Auch wenn Du das im Moment vielleicht nicht sehen und fühlen kannst, Du kannst stolz auf Dich sein. Ein Studium ohne die finanzielle Hilfe der Eltern zu schaffen, ist eine grosse Herausforderung. Und gleichzeitig scheint es, als hättest über die letzten Jahre Deine Energie so lange gepusht, dass jetzt die Luft draussen ist. Vielleicht war der Verlust vor zwei Monaten genau noch der letzte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Du bist sicher nicht faul, aber Du warst zu lange zu stark. Was Du hier aufzählst (bedrückendes Gefühl, keine Lust mehr auf früher geliebte Tätigkeiten, sozialer Rückzug, Schlafprobleme, innere Lehre, Antriebslosigkeit, Angst, Gefühl von Sinnlosigkeit) deutet auf eine psychische Krise hin, die wirklich ernst genommen werden muss. Deine Freunde haben diesen Zustand einfach noch nie selber oder in nächster Nähe erfahren, darum können sie die Situation nicht richtig einschätzen. Klar, hat jeder Mal schlechte Tage, aber es ist die grosse Menge und die lange Dauer dieser Stimmung, die es zu einem ernstzunehmenden Problem machen.

Darum finde ich es gut, wenn Du Dich an einen Psychologen oder eine Psychologin wendest. Ich denke, das ist der logische und richtige nächste Schritt. Die Grundversicherung der Krankenkasse übernimmt die Psychotherapie nur, wenn der Therapeut delegiert für einen Arzt arbeitet. Wenn der Therapeut selbständig arbeitet, werden die Kosten nur übernommen, wenn man eine Zusatzversicherung hat. Hier ist jede Krankenkasse ein bisschen verschieden, darum würde ich Dir raten, Dich vorher bei Deiner genau zu erkundigen, damit Du keine Überraschung erlebst.

Du schreibst, dass Du Dich endlich mal entscheiden solltest, was Du im Leben willst. Ich denke, Du hast schon viele wichtige Entscheidungen getroffen, sonst wärst Du im Moment nicht an dem Punkt, an dem Du gerade stehst. In Krisenzeiten sollte keine wichtigen Entscheidungen getroffen werden. Denn sie sind von viel Unsicherheit und Angst geprägt. Ich denke im Gegenteil, Du solltest erst mal auf die Bremse treten und Dich erholen, bevor Du das letzte Fünkchen Antrieb verlierst. Versuch Dein Leben weiterzuleben, ziehe Dich nicht zurück, doch schalte einen Gang runter. Das Training solltest Du möglichst nicht aufgeben, denn körperliche Bewegung ist sehr wichtig für die Psyche, hier würde ich Dir raten, Dich zu überwinden. Es geht darum eine Balance zwischen schonen und überwinden zu schaffen. Überwinde Dich dazu, Dir gut zu schauen, indem Du gut isst, Sport machst, regelmässig schläfst und Dir belastungsfreie Momente mit Deinen Freunden gönnst. Fahre aber gleichzeitig alles andere runter, dass in genau diesem Moment in Deinem Leben nicht so wichtig ist. Am Wichtigsten ist jetzt Deine Gesundheit. Sei lieb zu Dir und gönne Dir Schönes im Leben. Wenn Du gar nicht mehr weisst, was Du gern hast und was Dir gut tut, dann mache einfach das, was Dir früher gut getan hat. Du bist immer noch diese Person. Aber im Moment so ausgebrannt, sodass Du Dich selber etwas verloren hast. Du darfst nicht hetzen bei der Erholung, das Zauberwort heisst Geduld. Aber auch Biss..

Ich hoffe, ich konnte Dich mit meiner Antwort etwas unterstützen und ich wünsche Dir alles Gute! Mika


Rubrik: Angst Sinn des Lebens

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