Irgendetwas tun, damit man sich keine Sorgen macht?

Mein kleiner Bruder hat jetzt doch ziemlich schnell einen Platz in der Jugendpsychiatrie bekommen, weil er auf der Notfallliste stand. Unsere Mama hatte nämlich mit ganz vielen Fachleuten Kontakt und irgendwie haben die dann Druck gemacht. Vorallem die Schule, weil mein Bruder gar nicht mehr einfach dorthin zurück darf, er ist vorübergehend im Timeout, aber das war ja keine Dauerlösung. Das mit der Jugendpsychiatrie finde ich gut, aber gleichzeitig tut er mir Leid und ich will nicht, dass er weg geht und ich habe auch Angst um ihn. Mama ist sehr erleichtert, dass er diese Chance bekommt, aber ich glaube, dass sie es auch irgendwie traurig findet. Wir haben in den Ferien zusammen einen Ausflug gemacht, auch mit dem jüngeren Bruder. Es war gar nicht so unbeschwert wie sonst, wir haben eigentlich ganz viel über meinen Bruder geredet und auch irgendwie Witze gemacht. Ich glaube das war gut und trotzdem wäre es mir lieber gewesen, er wäre auch dabei gewesen, weil sonst sind wir immer alle zusammen gegangen. Ich glaube für meinen jüngeren Bruder war es gut, weil er so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Und ich konnte Mama sagen, dass ich nicht mehr kann und dass ich nicht immer alles wissen will, weil es mich fertig macht. Sie macht es jetzt besser, ich hoffe auch bei meinem jüngeren Bruder, ich habe ihn nicht gefragt. Ausserdem war ich zwei Wochen weg (Lager) und hatte so wirklich eine Pause und konnte Spass haben mit Freunden und so, jetzt geht es mir wieder besser. Ich will meinem Bruder etwas schenken, für wenn er in die Jugendpsychiatrie geht, damit er etwas hat, wenn er Heimweh hat oder falls er sich mal abgeschoben vorkommt, damit er weiss, dass wir ihn lieb haben. Vielleicht sein Lieblingstier als Figürli für den Hosensack oder einen Pulli, meine Freundin will mir nämlich Nähen beibringen, ich könnte für ihn einen selber machen. Als Mama mir gesagt hat, dass er in zwei Wochen weggeht, musste ich weinen. Ich weiss ja nicht wann er zurückkommt, in drei Monaten frühestens und vielleicht kommt er ja dann ins Heim oder so, das weiss ja jetzt noch keiner. Hoffentlich trifft er gute Leute, die ihm helfen weniger Mist zu machen und ihn nicht auf noch mehr dumme Ideen bringen, weil das könnte ja auch sein, sagt auch unsere Mama. Aber sie sagt es sei eine Chance und ich will zuversichtlich sein, dass er es hinkriegt sie zu nutzen. Es ist bloss gar nicht so einfach. Kann man eigentlich irgendetwas tun, damit man sich keine Sorgen macht?

Du machst das schon sehr gut

Liebe Lilli

Da ist ja viel passiert in letzter Zeit. Und ich finde, dass hört sich alles nach Fortschritt an. Ihr habe dass alle wirklich gut gepackt, das war bestimmt nicht einfach. All Deine Gefühle und Reaktionen sind ganz normal. Du darfst traurig sein und weinen und auch Dir Sorgen machen. Es ist eine schwierige Zeit und man muss über vieles nachdenken. Ich finde es gut, wenn Du Deine Sorgen eben auch ihn Taten umwandelst wie die Idee mit dem Geschenken. Da steckst Du Deine Energie, die durch diesen schwierigen Moment im Leben entstanden ist, in etwas Gutes rein. Das ist ein guter Weg, damit umzugehen. Es ist auch toll, dass Du mit Deiner Mutter geredet hast und sich da etwas verändert hat. Über Gefühle und Sorgen zu sprechen, ist auch ein wichtiger Punkt, um seine Gedanken zu sortieren. Du kannst auch darüber schreiben, Du schreibst sehr gut. Sorgen können nicht einfach unterdrückt werden, denn dannn brodeln sie leise weiter und werden immer schwieriger zu kontrollieren. Es ist besser die Sorgen gezielt anzuschauen und überlegen, ob Du etwas verändern kannst, damit die Situation für Dich besser wird. Wenn es etwas ist, dass nicht in Deiner Kontrolle liegt, dann darfst Du darüber traurig sein, denn schlussendlich musst es akzeptieren. Wichtig ist, dass Du nie vergisst, Dich auch auf die positiven Sachen im Leben zu konzentieren und dort Deine Energie zu investieren.

Liebe Grüsse, Mika


Rubrik: Sorgen

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