Familienmensch bis zum Ende?

Liebes Kopf Hoch Team

Ich habe mich schon einmal an euch gewandt. Nun ich bin 24 und noch in der Ausbildung auf tertiärer Stufe. Nun ich mache Zuhause sehr viel, da ich die älteste bin. Von der Lehrstellensuche bis Rechnungen über Spitalbesuche, bei Operationen beistehen auch nur für 10 min über 100 km fahren, nur damit es erledigt ist und weil mich mein Umfeld braucht, alles neben der Ausbildung. Für mich ist da nie Zeit. Nun habe ich über den Sommer gearbeitet und habe finanziell Zuhause eine Entlastung für meine Ausgaben und auch ein paar von den anderen beigetragen. Wenn ich Ruhe möchte und alleine für mich oder fürs Lernen, da ich auf unstabilem Grund stehe in der Ausbildung, dann wirft man mir vor, dass es meine Schuld sei und man mir ja genug Ruhe und Zeit gewährt hat. Solche Aussagen machen mich total kaputt. Keine Stunde oder Woche hatte ich Zeit für mich und wenn ich weg gehe, dann heisst es, ich sei kein Familienmensch etc. egal was ich mache, es ist nichts recht und gut, wie ein Teufelskreis, ich komm einfach nicht weiter! Ich habe meine Pflicht als Familienmitglied erfüllt indem ich mich um die anderen gekümmert haben, als Schwester, finanziell etc. und nun, wenn ich sie, dass es mir schlecht in der Ausbildung geht, weil ich neben an noch vieles erledigen muss, dann heisst es: du bist nicht schlau genug oder einfach nicht intelligent und was sollen die Leute dann sagen, wenn du aus dem Studium fällst etc. Und dann stehe ich wütend und blockiert da und verstehe die Welt nichts. Wenn ich all das nicht Zuhause erledigen würde, dann hätte mein Umfeld viele Probleme am Hals und wenn ich es nicht mache, dann heisst es eben ich sei kein Familienmensch und egoistisch und wenn ich helfe in allen Massen, dann sei sich selber schuld, dass ich das mache. Ich habe viele Schuldgefühle, wenn ich etwas für mich geniessen möchte, zBsp. einen Spaziergang, dann lasse ich es sofort sein. Ich bin auch nicht mehr so jung, mit bald 25. und eine Beziehung hatte ich auch nie, vor allem weil man mich am meisten Zuhause braucht und Ferien hatte ich schon seit Jahren keine mehr, aber die anderen können gehen, denn dann erledige ich deren Arbeit. Ich bin kurz davor alles hinzuschmeissen und irgendwo arbeiten zu gehen, denn ich weiss nicht ob ich das alles packe. Ich unterstütze die anderen, aber meine Bedürfnisse sind niemandem wichtig, sonst würden sie nicht so reagieren. Ich frage mich oft, ob die überhaupt ein Gewissen haben? Wie lerne ich einfach auch einmal auf mich zu hören oder bin ich das Übel?

Nur Du kannst es stoppen, sie würden für immer so weiter machen

Liebe Nina

All die Gedanken, die Du Dir machst, alles, was Du für Deine Familie zurücksteckst, all Deine Schuldgefühle... nur ein Familienmensch fühlt so. Du bist durch und durch ein Familienmensch und zwar so fest, dass Du dabei unterzugehen drohst. Jemand, dem seine Familie nicht wichtig ist, der hadert nicht so. Sondern setzt seine Bedürfnisse ohne Rücksicht auf Verlust durch. Nun ist die Frage zudem, ob die Definition eines Familienmenschen ist, dass er alles auf sich nimmt, dass eigentlich Eltern oder Angestellte einer Familie machen sollten. Deine Familie stellt das so dar, doch offenbar nur, um weiter von Dir zu profitieren. Das ist hart, aber anders kann man es nicht beschreiben. Sie würden nicht untergehen ohne Dich, garantiert nicht, doch sie müssten selber mehr Verantwortung übernehmen und das wollen sie nicht. Nicht solange, es ja noch klappt, so wie es jetzt. Und sie machen es solange, bis Du stoppst. Du schreibst es selber, es ist ein Teufelskreis, ein Fass ohne Boden. Es spielt also keine Rolle, wann Du stoppst sagst. Entweder Du machst es jetzt, oder Du wirst früher oder später zusammenbrechen. Für Deine Familie ist als früher oder später sowieso fertig. Und sie werden sich sowieso bis zum Schluss dagegen wehren. Die Frage dabei ist, ob es dann für Dich nicht zu spät ist. Darum lohnt es sich nicht, so weiterzumachen. Du musst nicht lernen, auf Dich zu hören, denn innerlich schreist Du Dich selber schon lange an, Du hörst Dich. Du musst jetzt sofort Dein Verhalten ändern. Lieber ein kurz und heftig, als langsam daran zu Grunde zu gehen. Du machst Dir einen Plan, was Du für Dich brauchst. Zeit zum Lernen und zum Erholen. Wenn dann nach was übrig ist und Du Bock hast, bleibt noch was für Deine Familie übrig. Und das ziehst Du durch. Egal ob Du viel oder wenig Zeit für Dich nimmst, sie werden sowieso reklamieren, als was solls. Du kannst nichts verlieren, Du bekommst ja nichts zurück. Hab Mut und mach Schluss damit. Du bist es so fest wert, Dein Leben zu starten. Und Du hast so viel Kraft in Dir, Du schaffst das und verdienst es.

Liebe Grüsse, Mika


Rubrik: Privatssphäre Streit Sorgen

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