Habe mir fürs neue Jahr vorgenommen offener zu werden

Hallo

Ich bin 16 und habe ein Anliegen... Ich bin sehr scheu und kann sehr schlecht ein gespräch anfangen mit jemandem. Ich bin dann auch sehr versteift und kann nicht ich selbst sein, was mich sehr an mir stört. Ich habe mir fürs neue Jahr nämlich vorgenommen offener zu werden. Am Anfang kann ich schon so die standartfragen wie Hobbies, was machst du beruflich und soo Fragen, aber dann klemmts. Und ich kann nur so Jaa, weiss nicht und soo Antworten. Ich hab schon mit mehreren Jungs geschrieben und fast alle haben gesagt, das ich zu wenig rede bzw Frage. Ich hab deshalb au Mühe neue Leute kennen zu lernen. Ich bin aber froh das es noch soziale Netzwerke gibt, wo ich ein paar Jungs kennen gelernt habe. Bis jetzt ist aber mit keinem was geworden, ausser treffen. Aber es ist natürlich nicht nur wegen den Jungs, sondern au neue Freundinnen und Kolleginnen zu finden, bei denen die ich habe, fühle ich mich aber wohl, und ich kann so sein wie ich bin, fröhlich, viel lachen und mir keine Gedanken über's sprechen zu machen. Das konnte ich bis jetzt noch bei keinem Junge.

Ich wäre froh über Tipps, wie ich das umsetzen kann. Danke!

Positive Selbstverbalisation und Aufmerksamkeit beim Anderen

Liebe Marina

Das ist ein schöner und mutiger Vorsatz fürs neue Jahr. Ich denke, Du kennst Dich selber ziemlich gut und denkst auch viel über Dich selber nach. Du hast Dir bereits Strategien bereitgestellt wie die Standardfragen, das ist gut. Du weisst, dass wenn Du Dich wohl und gemocht fühlst, ohne Nachzudenken Du selber bist und es lustig wird. All das ist eine gute Grundlage, um weiter Seite an Seite mit Deiner Schüchternheit neue Leute zu treffen und kennenzulernen.

Selbstsichere Menschen können nicht unbedingt besser mit anderen ins Gespräch kommen. Sie denken einfach nicht gross über sich selber nach und werden darum auch nicht nervös oder so. Schüchterne Menschen sind in solchen Situationen mit ihrer Aufmerksamkeit fest bei sich selber. Sie beobachten sich selber streng und bewerten jedes Verhaspeln, jedes schneller Atmen, jede kurze Gesprächspause und jede komisch abstehende Haarsträhne als negativ. Sie lauern fast auf eigene Fehler, um dann noch nervöser zu werden bis das Gehirn und Gespräch blockiert sind und man nur noch hilflos da steht. Man macht sich selber nervös aus Angst nervös zu werden.

Gefühle kann man nicht direkt verändern. Es geht nur über die Gedanken oder den Körper durch Entspannung. Deshalb ist das, was Du angehen musst, Deine Gedanken, die Dir vor, während und nach diesen stressigen Situationen durch den Kopf gehen. Beobachte und notiere mal, was Dir durch den Kopf geht, wenn Du jemand Fremden triffst, und was, wenn Du Dich mit Deinen Freundinnen bist. Du bist bestimmt viel strenger, wenn Du jemand Fremden triffst. Das ist normal, das geht allen so, bei manchen ist es eben so stark, dass sie sich blockieren. Überlege Dir wie Du Dir in schwierigen Situationen besser Mut machen kannst, wie Du Dich selber loben kannst für all die Dinge, die Du sehr gut machst bei diesen Treffen. Das nennt man positive Selbstverbalisation. So wirst Du selbstsicherer und vor allem fairer zu Dir selber in Deiner strengen Beurteilung. Der andere Trick ist, die Aufmerksamkeit in Gesprächen von sich weg zum anderen zu lenken. Versuch weniger Dich und Dein Verhalten im Griff zu haben und konzentrier Dich auf Dein Gegenüber. Nach diesen Standardfragen, die perfekt für einen Gesprächseinstieg sind, musst Du gut zuhören und nachfragen. Was interessiert Dich am anderen, was möchtest Du wissen? Gut ist immer, wenn man Fragen stellen kann, auf die die Antwort nicht nur ja oder nein ist. Also offene Fragen, das sind alle sogenannten W-Fragen: Wo, was, wer, warum etc. Also nicht "Gefällt Dir Dein Job?" ("Ja/Nein"), sondern "Warum gefällt Dir Dein Job?" ("Weil blablabla"). Versuch Deine Standardfragen offener zu stellen.

Ich hoffe, dass Du mit diesen Tipps etwas anfangen kannst. Ich würde Dir raten, ein bisschen zu üben. Üben ist immer das Beste, um dann bei den Dir wichtigen Treffen vorbereitet zu sein. Übe mit halbfremden Menschen, von denen Dir ehrlich gesagt egal ist, was sie von Dir denken. Übe zuzuhören und spannende Fragen zu stellen. Das kannst Du auch mit Familie und Freunden. Ich wünsche Dir viel Mut und auch Spass dabei. Liebe Grüsse, Mika


Rubrik: mich selber sein

Zurück